Realexperiment in der Waldstraße und Erbprinzenstraße

Die Fußgängerzone in der Waldstraße und der Erbprinzenstraße wir stark von zu Fuß Gehenden zum Einkaufen, Essengehen oder zum Flanieren genutzt. Doch auch Fahrräder dürfen in der Fußgängerzone fahren. Besonders häufig nachmittags und abends treffen Fahrradpendler und zu Fuß Gehende aufeinander. Dabei werden die zu Fuß Gehenden schnell und oft mit geringem Abstand von den Radfahrenden umfahren. Dies schränkt die Fußgänger ein. Die Aufenthaltsqualität in der Fußgängerzone ist so kaum gegeben. Da die Fußgängerzone aber auch einige wichtige Ziele für die Radfahrenden innehat, können diese nicht ganz ausgeschlossen werden.

Ziel des Experimentes ist es daher, Radfahrende die in der Fußgängerzone fahren zu mehr Rücksicht zu bewegen und jene, bei denen es möglich ist, auf die ausgeschriebene Cityroute über die Amalienstraße und die Herrenstraße zu leiten. Dazu wird das Realexperiment in drei Stufen aufgebaut.
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In der ersten Stufe wird für die Fahrradfahrenden, die aus der südlichen Waldstraße kommen, genauso wie diejenigen, die aus Richtung Osten in der Erbprinzenstraße auf die Fußgängerzone zu fahren, die vorhandene Situation verdeutlicht. Dazu werden neue Fahrbahnmarkierungen, die besser auf die Cityroute hinweisen, angebracht. Zusätzlich wird die Beschilderung der Fußgängerzone hervorgehoben und präsenter aufgestellt. So soll den Radfahrenden klar werden, dass sie sich in einem Bereich für zu Fuß Gehende befinden und ihr Verhalten entsprechend anpassen sollen.
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In der zweiten Stufe werden schnelle Radfahrende durch sogenannte Dialog-Displays zur Rücksichtnahme aufgerufen. Diese sprechen die Radfahrende direkt an und sollen auch den Dialog zwischen Radfahrenden und zu Fuß Gehenden erleichtern. Zusätzlich werden die Radfahrer durch das Unterbinden der gradlinigen Sicht auf den Zufahrtsstraßen durch Aufbauten verstärkt auf die Cityroute gelenkt.
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Die finale dritte Stufe soll die Radfahrenden in Abhängigkeit des Verkehrsaufkommens in der Fußgängerzone lenken. Sind viele zu Fuß Gehende in der Fußgängerzone unterwegs, ist kein Platz für Radfahrende zum Durchfahren. Diese werden mit dynamischen Anzeigetafeln auf die Situation aufmerksam gemacht und über die Cityroute umgeleitet. Ist in der Fußgängerzone wenig los, wie zum Beispiel am frühen Morgen oder in den Abendstunden, werden keine weiteren Hinweise gegeben.
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Durch das Realexperiment soll zum einen erforscht werden, wie sich der Radverkehr lenken lässt und zum anderen wie sich die Rücksichtnahme und Kommunikation zwischen den Verkehrsteilnehmern verbessern lässt.

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9 thoughts to “Realexperiment in der Waldstraße und Erbprinzenstraße”

  1. 05/07/2018 Arno
    Grundsätzlich finde ich die Idee gut, allerdings ist die Situation in der Erbprinzenstr. nicht nur schuld der Fußgänger/Radfahrer sondern auch wegen der Baustelle dort.
    Ich fände eine Radwegvariante nach skandinavischen Vorbild gut: Ein Streifen in der Mitte der deutlich als Radweg markiert ist. Natürlich wird dass das Problem nicht vermeiden, aber sowohl Fußgänger und Radfahrer wissen, was sie abseits der für ihn markierten Bereiche erwartet. Eine Sperrung für Radfahrer halte ich dagegen nicht für sinnvoll, da die Ampelschaltung sehr viel Zeit kostet.

  2. 10/07/18 Jürgen Geisler
    Die interaktiven Abstimmtafeln am Wegesrand sind im Grunde eine gute Idee. Die in der Erbprinzenstrasse, Ecke Bürgerstraße sollte jedoch erst ausgewertet werden, nachdem die Baustelle zwischen Füllhorn und Grüner Krebs geschlossen ist. Denn dieser Engpass verzerrt das Bild doch gerade ziemlich stark.

  3. 20/07/18 Sven Brunner
    Die Baustelle in der Erbprinzenstraße neben dem Grüner Krebs verzerrt die generelle Situation, ich denke nicht, dass es normalerweise dort so eng ist.

    Außerdem sind v.a. morgens und nachmittags dort auch viele PKWs und LKWs unterwegs, wobei ich nicht das Gefühl habe, dass dies alles Lieferverkehr ist, insb. bei den PKWs. Die Abstimmung sollte also nicht nur zwischen Fußgängern und Radfahrern erfolgen, sondern auch die Auto sollten miteinbezogen werden (wobei mir natürlich klar ist, dass die dort selbst nicht wirklich sinnvoll abstimmen können).

  4. 23/07/18 Elisabeth
    Ich finde das Projekt super! Ich fahre öfter über die Route in die Innenstadt. Entweder die südliche Waldstraße, dann Stephansplatz und in die Erbprinzensrtaße oder vom Beginn der Herrenstraße bis zur Ecke an der Stephansbuchhandlung.
    Mir war gar nicht bewusst, dass die City-Route an der Amalienstraße wie am oberen Bild gezeigt, nicht ÜBER den Stephansplatz, sondern rechts bis zur Herrenstraße führen würde. Hier fände ich eine Kennzeichnung wichtig! und zwar auf der Straße einen eigezeichneten beginnenden Fahrradweg gen Osten. Das Schild wasw jetzt dort steht legt einem nahe, dass man es durch die Waldstraße “versuchen” könnte (wegen des grünen Pfeils auf dem Schild und dem Text, denn man ggf. nicht ganz zu lesen schafft). Außerdem: die Fußgängerampel ist gleichzeitig eine Radampel! Man denkt als Radfahrer, dass das die logische Weiterführung des Radwegs bzw. der Waldstraße für Radfahrer ist.
    Anmerkung: Der Bahnübergang Karlsstraße/Waldstraße ist extrem gefährlich, weil man ihn nicht einsehen kann. Dort wäre ein Warnsignal bei Tramverkehr gut. (Natürlich vorausgesetzt dem Fall, dass man auch zukünftig als Radfahrer dort lang darf.)

    Zur Ecke Erbprinzenstraße/Herrenstraße: Das ist wirklich haarig als Radfahrer und Fußgänger!
    1. vom Postareal kommend nehmen nicht alle Fußgänger nach der Ecke Herrenstraße gleich einen Gehweg, sondern laufen an der BLB auf der Straße weiter.
    2. Frühs ist reger Anlieferungsverkehr, der dann oft Kinderwägen den üblichen Fußgängerweg versperrt, weshalb die auch auf der Straße laufen.
    3. Wegen des Fußgängerzonen-Schilds auf der Erbprinzenstraße aus Osten kommen, können Fahrradfahrer nicht gut Richtung Schloss abbiegen, sondern geraten manchmal schnell auf die Gegenfahrbahn der Herrenstraße.
    4. In der Weiterführung der Erbprinzenstraße ändert sich dann 2x das Vorfahrtsrecht für Fahrradfahrer – das ist auch schwierig. Die Kreuzung Lammstraße/Erbprinzenstraße gehört somit auch in den größeren Kontext dieser Innenstadt-Radführung.

    Meine Idee die Fußgängerzone auf dem Boden markieren und über die Kreuzung auf die nördliche Fußgänngerseite, also Südkante des Platzes an der Stephanskirche führen. Dann regelt sich die Kreuzungssituation schneller.

    Die ganze Situation muss auf jeden Fall in Zusammenhang gesetzt werden. Aus dem Süden gibt es keine gute Radstrecke in die Innenstadt. Die Karlsstraße ist gefährlich und eng, zwischendurch fehlt die Markierung des Radweges; weiter westlich muss man die Kriegsstraße immer durch “Entschleunigungs-Schranken” passieren, ganz im Westen am ZKM/Brauerstraße ist die Sitation zwar gut, aber auch dann gibt es keine gute Radführng von West nach Ost ins Zentrum rein.

    Ich freu mich auf eure Auswertung!

  5. 20/08/18 Patrick
    Ich fahre von Westen kommend sowohl die Cityroute Süd, als auch die blaue “Alternative” durch die Erbprinzenstraße. Die Entscheidung, welche Strecke ich verwende, treffe ich abhängig von der Ampelschaltung an den Ampeln Wald-/Karlsstraße.

    Nachdem diese Ampeln unglaublich lange Rotphasen haben, fahre ich zu 90% durch die Erbprinzenstraße. Dynamische Anzeigetafeln finde ich deutlich unwichtiger als fahrradfreundliche Ampelschaltungen.

  6. 28/08/18 Tobias
    Grundsätzlich spricht nichts gegen die Motivation, eine Fußgängerzone für Fußgänger aufzuwerten. Die Problemfokussierung auf den Radverkehr halte ich aber für sehr problematisch. Der Ludwigsplatz ist nun mal der direkte Weg für quasi sämtliche Bewohner der Südweststadt in Richtung Innenstadt und Campus Süd. Die offizielle Cityroute führt über eine Ampel mit relativ langen Rotphasen und ist deshalb unattraktiv. Eine Änderung der Ampelschaltung würde wohl mehr Radfahrer auf die Cityroute bewegen – am besten gekoppelt an das Verkehrsaufkommen am Ludwigsplatz (Phase 3).
    Als Fußgänger stören mich am Ludwigsplatz und Umgebung aber nicht die Radfahrer, von denen über 99% wissen, was sie tun und Abstand halten. Ich gehe davon aus, dass an der Umfrage hauptsächlich genervte Fußgänger teilgenommen haben und weniger zufriedene – was das Ergebnis verfälscht. Wirklich störend sind die Autos und Lieferwägen, die sich (mit oder ohne Genehmigung) durch die Erbprinzenstraße und Herrenstraße kämpfen. Deutlich sinnvoller als LED-Anzeigen wären Kontrollen von unbefugten Kraftfahrzeugen und zeitliche Beschränkungen des motorisierten Verkehrs. Sehr hilfreich wäre auch, mittelfristig nur elektrische Kleinfahrzeuge und Lastenräder in die Innenstadt zu lassen (von Baustellenfahrzeugen einmal abgesehen).
    Als Radfahrer kann man natürlich sowohl den Ludwigsplatz als auch die Ampel vermeiden, indem man durch die Blumenstraße fährt. Warum es die meisten nicht tun? Genau: Weil Lastwägen und Autos regelmäßig den Weg blockieren.

  7. 23/07/2018 Michael
    Habe vor Ort die Aufforderung gesehen, durch Knöpfchen drücken eine Bewertung abzugeben. Die dortige Fragestellung erachte ich als suggestiv und von Voraussetzungen ausgehend, die z.B. ich gar nicht teilen kann (anderen geht es auch so). Daher gehe ich davon aus, dass -wer mit vorgefertigter Haltung in ein solches Projekt geht- am Ende leicht falsche Schlüsse aus den “Ergenissen” zieht. Gibt es dazu eine öffentliche Veranstaltung?

  8. 04/10/2018 topsa
    Das Projekt hat leider Null Auswirkung auf Radverkehr in der Fußgängerzone. Ich glaube die Fahrradfahrer haben die “Dialog Displays” nicht wirklich wahrgenommen. Ich laufe dort jeden morgen vorbei :-)

  9. 17/10/2018 Annette Neufang
    Ich war jahrelang Radfahrer und bin jetzt Fußgänger, so dass ich mich in beide hinein versetzen kann. Am Ludwigsplatz und in der Kaiserstraße fühle ich mich mittlerweile durch die Radfahrer sehr verunsichert und würde mir wünschen, dass das Experiment etwas bewirkt. Eine “Umerziehung” geht wohl nur über das Portemonnaie.

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